Baustelle Wilderswil – ein multifunktionales Jahrhundertprojekt - Baustelle Wilderswil – ein multifunktionales Jahrhundertprojekt

Blog

null Baustelle Wilderswil – ein multifunktionales Jahrhundertprojekt

Baustelle Wilderswil – ein multifunktionales Jahrhundertprojekt

In Wilderswil bei Interlaken sind die Baumaschinen aufgefahren. Bekannt ist die Baustelle vor allem unter dem Namen „Umfahrung Wilderswil“, dieser wird dem Projekt jedoch nicht gerecht. Denn es wird nicht nur eine 2 Kilometer lange Dorfumfahrung gebaut, sondern es entsteht auch ein Direktanschluss ins Gewerbegebiet sowie ein neuer Hochwasserschutz. Mit diesen drei Massnahmen will man mehr Ruhe, mehr Sicherheit und zusätzliche Lebensqualität im Dorf erreichen. 

Das integrierte Projekt schafft viele Synergien und das nicht nur weil parallel gebaut werden kann. So wird zum Beispiel der in der Umfahrung vorgesehene 540 Meter lange Strassentunnel künftig bei sehr massivem Hochwasser auch als Abflusskorridor für überschüssiges Wasser dienen.

 

Kann man Land säen?

Nein, das geht natürlich nicht. Für die Umsetzung der Projekte brauchte es aber zusätzliches Land. Der Kanton als Bauherr wollte dieses Problem erst durch eine so genannte Landumlegung beheben. Dabei wird den Eigentümerinnen und Eigentümern Land weggenommen und neues zugeteilt. Diese Massnahme ist jedoch immer mit grossen Einschnitten verbunden, weshalb in diesem Projekt davon abgesehen wurde. Vielmehr wurde die Geomatikfirma bbp Geomatik AG damit beauftragt, nach einer Alternative zu suchen.

 

Vermessung – das nicht sichtbare Fachgebiet

Im Gegensatz zu vielen anderen Ingenieurdienstleistungen ist die Vermessung kaum sichtbar. Dabei liefert sie die Grundlage für jedes Projekt und begleitet auch Bauprojekte laufend.Die Vermessungen liefern nicht nur die Daten wo wie gebaut werden kann, sondern dokumentieren zum Beispiel auch bei umliegenden Gebäuden deren Zustand, überwachen Baugruben, so dass diese nicht zusammenfallen und umliegende Gebäude nicht einstürzen. Auch im Alltag begegnen wir der Vermessung immer wieder, so sind Google Maps und Wanderkarten nichts anderes als das Resultat eines Geomatikers / einer Geomatikerin. Als Beispiel kann hier die Swisstopo App genannt werden.

 

Der Vermesser als Mediator

Im Projekt Wilderswil ging die Rolle des Vermessers deutlich weiter. So wurde Stephan Tschudi der Firma bbp Geomatik AG damit beauftragt, zusammen mit den Trägerschaften (Kanton, Schwellenkorporation und Gemeinde Wilderswil) sowie den betroffenen Grundeigentümerinnen und -eigentümer Alternativen zur Landumlegung zu erarbeiten. In methodischen Schritten wurden Handlungsalternativen und Perspektiven aufgezeigt. Der partizipative Prozess war explizit ergebnisoffen geplant, so dass dieser ohne Druck und ohne Scheuklappen gestartet werden konnte. Wichtig dabei war, dass der Vermesser als „Kulturingenieur“ agieren konnte und somit zum Übersetzer zwischen Bauherr, Planer und Grundeigentümer wurde. Mit dieser Rolle und diesem Prozess konnte Stephan Tschudi mit allen Beteiligten eine akzeptable Lösung finden. 2023 wird das Projekt „Umfahrung Wilderswil“ und der Hochwasserschutz Bödeli fertig sein.

 

 

 

Stephan Tschudi

Stephan Tschudi hat an der ETH Zürich Kulturtechnik und Vermessung studiert. Er ist patentierter Ingenieur-Geometer und absolvierte eine Ausbildung zum Mediator. Er ist CEO der bbp Geomatik AG in Bern und Vorstandsmitglied der usic.

Verfasst von: Lea Kusano lea.kusano@usic.ch