Design Thinking – die Methode für Innovation - Design Thinking – die Methode für Innovation

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null Design Thinking – die Methode für Innovation

Design Thinking – die Methode für Innovation

Kurz und bündig: Was ist Design Thinking?

Jeremias Schmitt: Ein Ansatz im Umgang mit Mehrdeutigkeit und Komplexität in strategischen Innovationsprozessen. Im Fokus steht dabei immer der Mensch.

 

Helmut Ness: 95 % mit relevanten Sichtweisen die richtige Problemstellung erforschen und diese in eine Lösungs-aktivierende Herausforderung formulieren, um darauf aufbauend durch einen kreativen und iterativen Prozess mit Sichtbarmachung und schnellen Feedback-Loops für Wirkung und Relevanz zu sorgen. Der Innovator ist immer einem unkalkulierbaren Risiko ausgesetzt.

 

„Innovation“ ist so ziemlich zu einem Schlagwort geworden. Ist überall Innovation drin, wo Innovation drauf steht?

Schmitt: Bei der Innovation ist es wie mit der Kunst. Die Zuschreibung von Innovation hängt also stark vom Betrachter ab. Daher ist der Innovator auch immer einem unkalkulierbaren Risiko ausgesetzt. Sobald er seine Innovation öffentlich macht, entscheidet der Nutzer.

 

Ness: Bei Innovation ist es entsprechend der Markenbildung. Wie Jeremias Schmitt schon beschreibt, bildet der Nutzer sich ein Bild, in wie weit das neue Angebot sein Leben und sein Handeln verändert. Wenn sich darüber hinaus radikale gesellschaftliche Verhaltensänderungen abzeichnen, ist dieses ein Indikator für Innovationskraft.

 

Was ist Innovation? Wann ist etwas „innovativ“?

Schmitt: Innovation muss immer im Kontext der gesellschaftlichen, kulturellen, technologischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten gesehen werden. Letztendlich beschreibt die Innovation eine neue Erfindung (Produkt, Service, Prozess, Technologie) und die Diffusionen in den oben genannten Kontexten.

 

Ness: Innovation ist “etwas”, was in seiner Wirkung eine Veränderung im grösseren Masse mit sich zieht. Dabei ist zu Beginn oft nicht vorgegeben und voraussehbar, welche Auswirkungen diese Veränderung für uns Menschen individuell, als Gesellschaft im Ganzen und für unseren Planeten genau hat.

 

Davon ausgehend, dass ein grosser Teil der heutigen Arbeit automatisiert wird, findet Innovation in Zukunft auch automatisiert statt?

Schmitt: Sicherlich wird künstliche Intelligenz in Zukunft in der Lage sein, Probleme unabhängig von Menschen zu lösen. Dies gilt allerdings vor allem bezogen auf technologiegestützte Ansätze. Der Mensch wird meines Erachtens in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen, wenn es um Innovation geht, denn Kreativität, Empathie und Inspiration lassen sich nicht automatisieren. Hier geht es um Erkenntnisprozesse, welche dadurch gekennzeichnet sind, sich neues Wissen anzueignen, dieses zu nutzen, um Neues zu lernen.

 

Ness: Wie mein Vorredner schon sagte, sehe ich auch in technologischen Innovationen grosses Potenzial. Die Transformation von technologischen Innovationen auf die Sinnhaftigkeit und Relevanz für uns Menschen zu bewerten, wird aus der aktuellen Erkenntnis noch schwierig zu automatisieren sein. Der Mensch wird auch in Zukunft die zentrale Rolle spielen, den Kontext zu den menschlichen Bedürfnissen anzustossen und zu bewerten. Diesen Erkenntnisprozess werden immer mehr Automatisierungen unterstützen, aber nicht anstossen.

 

Design Thinking ist eine Methode, um an Innovation zu gelangen. Welches sind die Prämissen von Design Thinking?

Schmitt: Design Thinking schafft es, durch die Nutzbarmachung von Gestaltungsprozessen kreative und analytisch-denkende Menschen in einem multiperspektivischen/disziplinären Team durch stimulierende Räumlichkeiten in neue Denkmuster zu führen. Neben diesen Gegebenheiten gibt Design Thinking denjenigen, die etwas verändern wollen und Innovationen fördern die Möglichkeit, dies mit einem strukturierten Ansatz zu verfolgen.

 

Ness: Ja, und diese Denkmuster in die Willenskraft zu transformieren, schnell durch Erforschung, Verprobung und Feeback iterativ die entstehenden Erkenntnisse zu steigern und damit die Lernkurve für den Einzelnen und im Team zu beschleunigen.

 

Sind diese Prämissen rein ideeller Natur oder gibt es andere Gründe dafür?

Schmitt: Raum, Prozess und Mensch sind wichtige Zutaten, wenn es darum geht, Denkmuster zu verändern.

 

Ness: Ich stimme dieser Aussage zu. In Potsdam am Hasso-Plattner-Institut HPI und an der Stanford Universität gibt es begleitend zur Design Thinking-Methode ein gemeinsames Forschungsprogramm, das belegt, dass diese genannten Prämissen einen essenziellen Impact auf die Veränderung von Denkmustern haben.

 

Die Innovationsmethodik von Design Thinking ergibt sich aus den Prämissen. Wie sieht ein Innovationsprozess in der Logik von Design Thinking im Grundsatz aus?

Schmitt: Im Grunde geht es darum, sich über Potenziale und Möglichkeiten ein Bild zu verschaffen, indem man sich mit den Lebenswelten von Menschen sowie den aktuellen Veränderungen aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Technologie, Umwelt und Gesetzgebung beschäftigt. Daraus lassen sich dann strategische Handlungsfelder ableiten, welche es Menschen ermöglichen, ihre Kernkompetenz/Ressource neu zu definieren. Genau aus diesem Standpunkt lassen sich dann komplett neue Perspektiven in der Gestaltung von Innovation erschliessen. Diese Lösungsansätze werden prototypisch gebaut und schnell getestet, sodass man sich in vielen kleinen Schleifen der Erfindung und der Diffusion annähert.

 

Ness: Jeremias Schmitt war fünf Jahre Programmdirektor an der HPI School of Design Thinking. Besser könnte ich es auch nicht formulieren.

 

Für welche Problemstellungen/Fachbereiche eignet sich Design Thinking?

Schmitt: Design Thinking eignet sich vor allem dann gut, wenn es um Mehrdeutigkeit geht, sprich, es weder klar ist, wie sich meine organisationale Umwelt verändert, noch was meine Handlungsalternativen sind.

 

Ness: Bei Problemstellungen, die sich durch Komplexität kennzeichnen, hilft Design Thinking besonders, aus verschiedenen relevanten Sichtweisen hin zu einer Essenz der Sichtweise für die Problemstellung zu konvergieren. Es kommt dabei nicht selten vor, dass sich die Problemstellung durch die multiperspektivische/disziplinäre Betrachtung als Grundlage für Handlungsalternativen verändert. Wichtig ist dabei, diesen Denkprozess als Wert hin zu Relevanz zu verstehen und nicht als «Extraschleife, die Zeit kostet». Design Thinking eröffnet Organisationen im Zeitalter der digitalen Transformation die Möglichkeit, Fachabteilungen raus aus Silos zu führen. Dieses ist stark abhängig von der Art der Begleitung (Mentoring, Coaching). Die daraus resultierenden übergreifenden Erkenntnisse helfen der Organisation, neue Potenziale zu erschliessen. So eröffnet sich der Weg hin zu schnell lernenden Organisationen in einer Zeit, die durch kontinuierliche Unsicherheit und technologische Veränderung geprägt sind und bleiben werden.

 

Sie haben Projekte mit Innovationsbedarf im Bereich Mobilitäts-, Stadt- und Verkehrsplanung begleitet. Können Sie uns anhand eines konkreten Beispiels die Methode aufzeigen?

Schmitt/Ness: Wir begleiten die Münchner Verkehrsgesellschaft MVG seit vielen Jahren im Bereich Prototypen und Validierung von Nutzer-zentrierten Mobilitätsangeboten und deren digitalen Produkte und Services.

Anhand von zwei Haltestellen-Knotenpunkten in München am Sendlinger Tor und an der Münchner Freiheit wurde der Fahrgast in den Mittelpunkt der Forschung gestellt. Durch Hypothesen und Beobachtungen wurden und werden Nutzerbedürfnisse evaluiert und durch Prototyping getestet. Das gilt für Infrastrukturprojekte ähnlich wie für digitale Produkte und Services. Die Implementierung von multimodalen Mobilitätskonzepten ist mit hohen technischen und budgetären Aufwänden verbunden, weshalb wir gemeinsam zu Beginn jeder Pilotierung die Frage beantworten müssen: Was machen wir jetzt? Und fast noch wichtiger: Was machen wir jetzt NICHT?

Aus diesem Grund wurde in der Organisation der Prozess vom Prototypen hin zum Most Valuable Player MVP und zur Skalierung im Markt etabliert. Grundvoraussetzung war jedoch die Transformation in der Organisation der Stadtwerke München hin zum Mindset des „Befähigen“ und des „schnellen Lernens“ mit Hilfe des sechsstufigen DT-Prozesses (HPI School of Design Thinking), das kollaborative Zusammenarbeiten von internen Fachabteilungen, Designern, IT und themenbezogenen relevanten Experten sowie die Schaffung von Räumen, um die neue Art des Arbeitens zu unterstützen.

 

Wo liegen die grössten Hürden im Innovationsprozess?

Schmitt/Ness: Hürden beginnen immer bei den in Verantwortung stehenden Menschen selbst und in deren eingefahrenen und oftmals Macht-fixierten Unternehmensstrukturen. Ohne eine Unternehmenskultur, die von Vision, Offenheit, Transparenz und Befähigung geprägt ist, ist es schwer, Herausforderungen Sinn stiftend und effizient durch Experimentieren und Iterieren zu Lösungen hin zu treiben. Es gehören in erster Linie Mut und Befähigung dazu, dieses zuzulassen, um einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil zu entfalten: sich zu einer stetig lernenden Organisation zu transformieren.

Ein dazu passender Tipp ist das Buch von Maria Giudice und Christopher Ireland «Rise of the DEO», welches schön die sinnstiftende Leadership-Rolle heutiger und zukünftiger Unternehmenslenker formuliert, um richtig für die so genannte VUCA-Welt (VUCA steht für Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Vieldeutigkeit / Volatility, Uncertainty, Complexity, Ambiguity) aufgestellt zu sein.

 

Welches waren Ihre genialsten, erstaunlichsten, fantastischsten Erlebnisse?

Schmitt/Ness: Unser erstaunlichstes Erlebnis zusammen war, wie intuitiv Schüler anhand des Prozesses nachhaltige Lösungen für komplexe Probleme der aktuellen Zeit schaffen, während viele Erwachsene im Berufsleben vor Komplexität kaum oder erst durch langsames Herantasten in Vertrauens-stiftendem Umfeld handlungsfähig sind.

Die Situation, dass wir im letzten Jahr innerhalb einer Woche sowohl drei Tage mit einem grossen deutschen Automobilkonzern wie auch mit Schülern der Berliner Montessori Schule den Prozess durchlaufen haben, hat uns diese Erlebnisse so extrem in den Kontrast gestellt. Ein weiteres fantastisches Beispiel war die Implementierung eines Brand Design Relaunch für eine grosse deutsche Bank, der durch den Prozess der Empathiebildung und der gemeinsamen Herausarbeitung der Problemstellungen den Entscheidungsprozess der Implementierung für alle Beteiligten drastisch vereinfacht hat, so dass die Entscheidungsfähigkeit, mit hoher Motivation das inhaltliche Ziel zu erreichen, beschleunigt wurde.

 

 

 

Jeremias Schmitt

Meine grösste Leidenschaft ist es, Start-up-Ideen in funktionierende Geschäftsmodelle umzusetzen und Teams dabei zu unterstützen, Produkte und Dienstleistungen durch innovative Markteintrittsstrategien umzusetzen.

Dabei greife ich auf meine 7-jährige Erfahrung im Umgang mit Innovationsprojekten zurück, die ich an der HPI School of Design Thinking als Student, Programm-Manager und Coach sowie in Agentur- und Unternehmerprojekten gesammelt habe. Für mich stehen die Menschen bei jeder Innovation an vorderster Front. Jede Herausforderung, jedes Problem und jede Lösung erfordert einen eigenen Ansatz, der auf die Erwartungen der Kunden, Partner und des Teams abgestimmt sein muss.

Gemeinsam mit dem 5Wx New Venture Team entwickle und beschleunige ich Gründungsideen, die wir mit Hilfe von Netzwerkpartnern umsetzen. Mein persönlicher Fokus liegt auf zukünftigen Veränderungen in den Bereichen Mobilität, Gesundheit und Bildung.
 

 

Helmut Ness

Eine offene Denkweise und die Bereitschaft, nach dem Warum zu fragen, helfen uns dabei, neue Perspektiven zu lernen und zu verstehen. Auf diesem Weg der Neuentdeckung und des Erreichens bedeutsamer Ziele ist es auch wichtig, transparente Kommunikationsmittel zu nutzen und Einfühlungsvermögen zu entwickeln.

Bei allem, was wir unternehmen und erreichen wollen, geht es immer um die Interaktion und Kommunikation zwischen Menschen. Deshalb stellen wir den Menschen mit seinen Bedürfnissen, Werten und Wünschen in den Mittelpunkt unserer Arbeit und der Lösungsüberlegungen. Die Beschleunigung der technologischen Innovation macht die Gegenwart sowohl herausfordernd als auch aufregend. In diesem Sinne konzentrieren wir uns darauf, den technologischen Fortschritt, die Benutzererfahrung, die Geschäftsziele sowie unsere eigene Begeisterung und unser eigenes Know-how miteinander zu verbinden. Seit 20 Jahren beschäftige ich mich mit Mobilität, Gesundheit und seit der Geburt meiner Kinder mit Bildung.

Der 5Wx ist unsere Antwort darauf, neue Perspektiven und Lösungsideen in Geschäftsmöglichkeiten zu verwandeln. Unsere Leidenschaft ist es, nach Gelegenheiten zu suchen, bei jedem einzelnen Prozess weiter zu

 

 

 

 

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Verfasst von: Lea Kusano lea.kusano@usic.ch